GEISTLICHES WORT

Lichtglanz aus dem Herzen Gottes

Gedanken von Sr. M. Veronika Riechel, Newsletter Januar 2023, Diözese Rottenburg-Stuttgart

 

Welchem Stern folgen wir?
Wir sind über die Schwelle in ein neues Jahr gegangen. Was es für jeden von uns, für jede Familie, für unsere Familienbewegung, unsere Kirche und Gesellschaft bringen wird? Wir wissen nicht, was in den Plänen Gottes, in seinen Weisheits- und Liebesplänen steht.

Aber eines ist gewiss: Über unserem Leben, über unserem Weg im Jahr 2023 leuchtet der Stern von Bethlehem. Er erinnert uns: „Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht“ (Benedikt XVI. in der Predigt zu seiner Amtseinführung als Papst).

Es liegt an uns, in den Spuren der Weisen aus dem Morgenland zu gehen und uns zu entscheiden, diesem und keinem anderen Stern zu folgen.

„Der große Stern, die wahre Supernova, die uns führt, ist Christus selbst. Er ist gleichsam die Explosion der Liebe Gottes, die den großen Lichtglanz seines Herzens in die Welt hineinleuchten lässt. Und wir dürfen hinzufügen: Die Weisen aus dem Morgenland, von denen das heutige Evangelium berichtet, wie überhaupt die Heiligen sind allmählich selbst zu Sternbildern Gottes geworden, die uns den Weg zeigen. In all diesen Menschen hat gleichsam die Berührung mit Gottes Wort eine Explosion des Lichtes ausgelöst, durch die der Glanz Gottes in diese unsere Welt hineinleuchtet und uns den Weg zeigt. Die Heiligen sind Sterne Gottes, von denen wir uns führen lassen zu dem hin, nach dem unser Wesen fragt.“ (6.1.2012, Benedikt XVI.)

 

"Sterne Gottes" in unserer Mitte
Zu diesen „Sternen“, durch die das Licht und der Glanz Gottes in unsere Zeit hineingeleuchtet ist, gehört sicher auch Benedikt XVI., dessen Zeitgenossen wir sein durften. Wir betrauern als Universal-Kirche und als Kirche in Deutschland seinen Tod mitten in der Weihnachtszeit. Und wir danken Gott für diesen Menschen, Priester, Theologen, emeritierten Papst, dessen Charisma es war, die Schönheit des Glaubens in Worte zu fassen und so für viele suchende Menschen in unserer Zeit den Weg zu Christus zu zeigen:

„Ich habe gesehen und sehe, wie aus dem Gewirr der Hypothesen wieder neu die Vernunft des Glaubens hervorgetreten ist und hervortritt. Jesus Christus ist wirklich der Weg, die Wahrheit und das Leben – und die Kirche ist in all ihren Mängeln wirklich Sein Leib.“

Dieses Glaubenszeugnis steht am Ende des Geistlichen Testaments von Benedikt XVI., das unmittelbar nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Diesem persönlichen Zeugnis entspricht die einzige, starke Bitte an uns Christen in Deutschland und in der Welt, die Benedikt der XVI. als sein Erbe hinterlässt:

„Ich bete darum, dass unser Land ein Land des Glaubens bleibt und bitte Euch, liebe Landsleute: Lasst euch nicht vom Glauben abbringen… Was ich vorhin von meinen Landsleuten gesagt habe, sage ich nun zu allen, die meinem Dienst in der Kirche anvertraut waren: Steht fest im Glauben! Lasst euch nicht verwirren!“

 

Steht fest im Glauben!
Vielleicht sind diese Ereignisse am Beginn des Jahres eine gute Gelegenheit, den ein oder anderen Text von Benedikt XVI. zur Hand zu nehmen und sich davon inspirieren und im Glauben stärken zu lassen: das Interviewbuch „Salz der Erde“, die Enzyklika „Deus caritas est“, die Predigten auf seinen Deutschlandreisen (unvergessen als eine seiner schönsten die von Regensburg 2006: „Wer glaubt, ist nie allein“), die Rede vor dem Bundestag, das Gespräch mit Erstkommunionkindern auf dem Petersplatz, die Jesusbücher … - um nur einiges zu nennen. Es sind durch den Glauben, durch das Leben gedeckte Worte und Erkenntnisse eines „Mozart der Theologie“, der den klaren Verstand vieler Gelehrter in sich vereinigte und gleichzeitig bis zum Schluss den schlichten und frohen Glauben eines Erstkommunionkindes hatte, wie Menschen, die ihn gut kannten, einmal von ihm sagten. Unser Jahresmotto - „Miteinander Gott hören“ – kann sicher auch in solcher Lektüre der Texte Benedikt XVI. konkret werden.

 

Ein wundervolles Zuhause
Was im eigentlich kurzen Geistlichen Testament von Benedikt XVI. noch auffällt: Er verweist auf die Wurzeln seines Glaubens, die in seiner Familie liegen. Dieser Text ist deswegen auch ein schönes Zeugnis für die Bedeutung des Lebensraums der Familie, der Eltern und Geschwister für das gesamte Leben eines Menschen:

„Ich danke meinen Eltern, die mir in schwerer Zeit das Leben geschenkt und unter großen Verzichten mir mit ihrer Liebe ein wundervolles Zuhause bereitet haben, das als helles Licht alle meine Tage bis heute durchstrahlt. Der hellsichtige Glaube meines Vaters hat uns Geschwister glauben gelehrt und hat als Wegweisung mitten in all meinen wissenschaftlichen Erkenntnissen standgehalten; die herzliche Frömmigkeit und die große Güte der Mutter bleiben ein Erbe, für das ich nicht genug danken kann. Meine Schwester hat mir selbstlos und voll gütiger Sorge über Jahrzehnte gedient; mein Bruder hat mir mit der Hellsicht seiner Urteile, mit seiner kraftvollen Entschiedenheit und mit der Heiterkeit des Herzens immer wieder den Weg gebahnt; ohne dieses immer neue Vorausgehen und Mitgehen hätte ich den rechten Weg nicht finden können.“

Die Freude am Leben in Ehe und Familie wachhalten; auf die ein oder andere gemeinsam erlebte Sternstunde hinweisen; viele gute Anregungen geben, damit wir als christliche Familie heute im Glauben standhalten können und das Licht des Glaubens leuchten lassen; unser WIR als Familienbewegung der Diözese Rottenburg-Stuttgart stärken – all dies erhoffen wir uns vom neuen Newsletter, den Sie, liebe Familie, gerade lesen.

Dieses Projekt und natürlich noch viel mehr das neue Jahr empfehlen wir der Gottesmutter und vertrauen auf das „Zaubersprüchlein“, wie Pater Kentenich sagt: mphc, Mater perfectam habebit curam (Die Mutter wird gut sorgen).

 

Das gesamte geistliche Testament von Benedikt XVI. ist im Wortlaut unter folgendem Link abrufbar: vaticannews.va